Es tut sich was – wir kommen heim

Es tut sich was – wir kommen heim

17.05 bis 24.05.2020

Die angekündigten Fähren am 19.05 nach Genua und die am 21.05. nach Malaga scheinen zu funktionieren. Es heißt dann, dass die Fähre der GNV von TangerMed nach Genua sicher fährt.

Mit einer schriftlichen Genehmigung der deutschen Botschaft kann man sich mit dem Fahrzeug aus dem Süden nach TangerMed in den Norden bewegen. Ein Stempel von der örtlichen Verwaltung (Polizei, Pascha) ist noch nötig. Diese von der niederländischen und deutschen Botschaft organisierte Fähre fährt dann auch wirklich ab. Preis 1.200 Euro für die einfache Überfahrt. Die Buchung erfolgt durch Vorauszahlung.

Parallel tut sich auch was zu der von uns favorisierten Fähre am 21.05. nach Malaga im Süden Spaniens der spanischen Fährgesellschaft BALEARIA. Preis soll je nach Auslastung zwischen 200 und 500 britischen Pfund liegen.

Mit einer E-Mail haben wir uns ja schon am 15.05.2020 dafür beworben inklusive Kopien der Pässe, Fahrzeugpapiere, Visum und vorhandenen Fährtickets. Auf die Fähre sollen zuerst britische Bürger ein Anrecht haben. Weitere Plätze werden dann mit Deutschen gefüllt. Sollte noch Platz sein, können auch andere Nationalitäten mit aufs Schiff.

Wir bekommen dann auch eine neue Durchfahrtsbescheinigung, die auch ohne direkte Fährbuchung gültig ist. Das soll die Bestätigung sein, dass wir auf der ominösen Liste stehen. Dies bedeutet, wir sind für einen Platz auf der Fähre eingetragen. So die Theorie.

18.05.2020 & 19.05.2020 – Die Fähre nach Malaga wird realistisch

Dann wird es nochmal hektisch für uns. Denn plötzlich kommt die Ansage, dass sich alle per WhatsApp bei Herrn Jörg Grotjohann, dem Kulturattachè der deutschen Botschaft melden sollen, die auf die Fähre wollen. Darin sollen alle persönlichen Daten enthalten sein, inklusive Kreditkartendaten.

Die Verwirrung ist nun perfekt. Die beiden WhatsApp Gruppen laufen über mit Fragen und Unmutsäußerungen. Wir haben doch bereits alles per E-Mail geschickt. Aber es hilft nichts. Jeder Fährwillige sendet seine Daten an Herrn Grotjohann. Die Daten der Kreditkarte ohne die Sicherheitsnummer auf der Rückseite. Diese möchte Herr Grotjohann telefonisch abfragen. Für uns kein Problem, wir haben ja eine marokkanische Sim-Karte. Andere haben da schon mehr Probleme. 

Herr Grotjohann ist inzwischen in TangerMed um den Ablauf der Fährbuchungen für die Fähre nach Genua zu koordinieren. Er bleibt auch dort bis die zweite Fähre (unsere) am 21.05. geht.

Es stellt sich schnell heraus, dass die Telefonaktion nicht praktikabel ist. Live kriegen wir mit, wie auf unserem Stellplatz der Familie Schatz ein Ehepaar angerufen wird. Sie diskutieren ca. 30 Minuten mit Herrn Grotjohann, ob sie nun mitwollen oder nicht. „Es ist doch so schön hier“ … gefolgt von der Lebensgeschichte und letztendlich der Übermittlung der Kreditkartendaten inklusive der Sicherheitsnummer. Oli sagt noch: schnell einen Stift und mitschreiben 😊.

In den WA-Gruppen geht es auch wieder ab: „wie, es geht eine Fähre?“, „Seid ihr auf der Liste“, „mich hat noch keiner angerufen“, „wie komme ich nach TangerMed?“, „wo gibt es die Fahrgenehmigungen?“ … 

Ich möchte nicht wissen, wie viele Anrufe und WA-Nachrichten Herr Grotjohann in diesen Tagen erhalten hat. Als wir dann am 19.05. gegen 20 Uhr noch keinen Anruf erhalten haben, schreiben auch wir eine kurze Nachricht an ihn. Wahrscheinlich auch gut so, denn wenige Minuten später kommt der Anruf wegen der Sicherheitsnummer der Kreditkarte. Gepackt haben wir schon. Der Smart ist auf dem Hänger. Alles abfahrbereit für morgen früh.

Was uns noch fehlt ist der Stempel vom Pascha vor Ort, der die Abreise von Marrakech frei geben muss. Wir entschließen uns ohne diesen Stempel los zu fahren. Wir sind keine 20 KM von der Autobahn entfernt und kennen einen Schleichweg um die Kontrollen. Einmal auf der Autobahn interessiert der Stempel eh keinen mehr.

20.05.2020 – Ab nach Tanger

Um 9 Uhr geht es dann los auf die 600 Kilometer lange Strecke nach Tanger. Maren und Ralf fahren auch mit sowie Harry und Marion. Beide haben allerdings langsame Kisten – Kurzhauber und Unimog. Sie fahren also schon früher los.

Wir fahren zusammen mit Birgit und Frank mit ihrem Pössl-Kastenwagen. Die Fahrt verläuft auch ohne Zwischenfälle. Wir fahren die letzte Tankstelle vor dem Hafen an, tanken voll (für 0,79 Euro pro Liter Diesel) und übernachten auch hier.

Da wir noch keine schriftliche Bestätigung der Tickets haben, schreiben wir nochmals eine WhatsApp an Herrn Grotjohann. Der schreibt zurück, dass die Bestätigung von BALEARIA evtl. auch nicht mehr kommt, wir und Birgit/Frank aber definitiv auf der Liste stehen. Wir kriegen unsere Bestätigung dann irgend wann in der Nacht: 650 Euro für eine einfache Überfahrt nach Malaga. Birgit und Frank bekommen keine Bestätigung.

Nach einem gemeinsamen „Vesper“ gehen wir auch früh ins Bett.

21.05.2020 – Auf die Fähre

Um 8 Uhr fahren wir los um die letzten 25 KM bis zum Hafen hinter uns zu bringen.

In TangerMed angekommen, heißt es erstmal sich in die Schlange am Ticketschalter der BALEARIA stellen. Natürlich im gebührenden Abstand von 1,50 m und mit Maske. Das dauert dann fast zwei Stunden. Zum Glück stehen alle unter einem großen Dach im Schatten. Ticket für alle problemlos.

Herr Grotjohann von der Botschaft wartet an der Absperrung und steht geduldig für Fragen und Problemfälle zur Verfügung.

Dann geht es weiter durch Kontrollen von Pass und Fahrzeugpapieren – Drogenkontrolle mit Hunden – das Auto wird mit einem Wärmescanner durchleuchtet – nochmals Drogenkontrolle – wieder Hunde …

Vom Wohnmobil will keiner was. Aber unser Smart scheint den Zöllnern zu gefallen. Alles aufmachen. Die Schweller unter beiden Türen erweckt ihr Interesse. Klopfen von unten und oben mit dem Hammer, Spachtel um die Abdeckung anzuheben – der Chef kommt und das Gleiche von vorne. Als dann alles OK zu sein scheint, dürfen wir weiter. 

Dann nochmals kurze Kontrolle auch wieder mit Hunden und ich muss unsere Box auf dem Hänger öffnen. Nur ein kurzer Blick reicht aber und wir dürfen weiter. Nächste Aktion Fieber messen und Ticket vorzeigen.

Entgegen aller Befürchtungen ist die Auffahrt völlig problemlos. Zum ersten Mal sitzen wir bei der Auffahrt auf die Rampe nicht auf. Wir fahren den steilen Weg auf das Mitteldeck, drehen dort und stehen gegen die Fahrtrichtung fast als erstes Fahrzeug an der Ausfahrt.

Die Sitze in Doppelreihen dürfen nur einzeln besetzt werden. Trotzdem scheint es zu reichen. Obwohl die Aktion uns nicht ganz einleuchtet. Später setzen wir uns dann zusammen und erklären, dass wir ein Ehepaar sind. Wird dann auch akzeptiert.

Maren und Ralf stoßen dann zu uns und wir essen Sandwiches vom Bordservice. Schmeckt besser als es aussieht, dazu einen guten Espresso.

Nach vier Stunden Fahrt und Zeitumstellung auf MEZ (2 Stunden vorwärts) kommt es zu einer Wartezeit von mehr als einer Stunde nach dem Anlegen. Uns ist nicht klar warum. Es gibt Gruppeneinweisungen ans Personal. Nichts geht weiter. Wir dürfen noch nicht zu den Fahrzeugen, obwohl die Fähre schon fest verzurrt ist. Alle müssen sich in die Sitze setzen und warten. Wir stellen uns dann doch ein paar Fragen:
Corona auf der Fähre ausgebrochen? 
Neue Anweisungen von der Regierung?

Um 21 Uhr Ortszeit fahren wir endlich von der Fähre, um dann nochmals drei Stunden zu warten, bis alle Kontrollen seitens der spanischen Zöllner durchlaufen sind und wir aus dem Hafen fahren dürfen.

Vorher gibt es noch eine Durchfahrtsbescheinigung für Spanien in 2-facher Ausführung zum Ausfüllen.

Eine abgestempelte Bescheinigung bekommen wir bei der Ausfahrt aus dem Hafen bei der Passkontrolle wieder ausgehändigt.

Und dann kann es los gehen – in die „europäische Freiheit“ und zum nächsten Übernachtungsplatz. Birgit und Frank sind schon vor uns dran gewesen. Sie haben mehrfach versucht auf uns zu warten, wurden aber überall wieder weggeschickt in Richtung Hafen-Ausfahrt.

Sie sind dann einfach schon mal vorgefahren und haben auf der Autobahn auf uns gewartet. Auf dem Stellplatz stehen schon Fahrzeuge und es kommen in der Nacht nochmal 20 bis 30 hinzu: Deutsche, Engländer, Niederländer und Franzosen bunt gemischt.

Wir werfen alles zusammen, was der Kühlschrank hergibt und fallen dann ziemlich fertig um zwei Uhr ins Bett.

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1 Kommentar bisher

Roger Bürke Veröffentlicht am8:40 - 25. Mai 2020

Hallo ihr Zwei,
klingt alles sehr spannend aber auch stressig.
Dann wünschen wir euch eine angenehme Fahrt und kommt gesund zurück.
Liebe Grüße
Roger, Birgit

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