Archiv März 2020

Fähre Tangermed-Sete buchbar

31.03.2020
Die zweite Fähre nach Sete ist buchbar – wir bleiben trotzdem in Marrakech.

Heute Morgen wird klar, dass die Telefonnummer, die seit gestern 18 Uhr vorhanden sein soll, immer noch nicht freigeschaltet ist. Sie soll nun durch eine Online-Registrierung und -Buchung ersetzt werden. Aber auch die ist bis 13 Uhr noch nicht verfügbar.

Arber irgendwann am Nachmittag funktioniert dann alles. Die Buchungen können durchgeführt werden und werden dann auch im Laufe des Abends bestätigt. Mit dieser Bestätigung ist eine Fahrt in den Norden bis nach Tangermed erlaubt.

Vom Campingplatz hier in Marrakech werden morgen früh 4 Wohnmobile aufbrechen, 2 deutsche, 1 österreichisches und 1 französisches Fahrzeug.

Wir bleiben bei unserer Entscheidung und warten vorerst mal hier ab. Mit Hänger kostet die Fähre nach Sete nämlich 1.700 Euro. Nicht gerade billig. Das Argument ist, dass die Fähre von Sete leer hierherfährt. Uns war es zu teuer. Dazu noch die Ungewissheit, was wirklich geschieht und ob auch alles funktioniert.

Neue Entwicklungen

30.03.2020
Kurze Hektik – es gibt neue Entwicklungen

Heute verabreden wir uns im „Freiluft-Fitnesscenter“ zum Kaffee. Es gibt noch Kuchen vom gestrigen Geburtstag. Außer dem französischen Ehepaar mit dem Kind sind alle da. Gegen 16 Uhr löst sich die Runde so nach und nach auf.

Beim Zusammenpacken kommt dann nochmal Schwung in die Bude. Andree kommt um 16:45 und meldet, dass er Kontakt zum deutschen Botschafter und damit Zugriff auf ein Kontingent von Tickets für die Fähre am Donnerstag habe. Bis 18 Uhr müssen die Daten beim Konsulat sein, da dann die offizielle Telefonnummer geschaltet wird, über die alle sich Tickets reservieren können. Preis zwischen 1.200 und 1.600 je nach WoMo-Größe und Kabine (Doppel-/Mehrbettkabinen oder nur Sessel). Andree betont, dass es laut deutschem Botschafter keine weitere Fähre geben werde und bei einer Verschlimmerung der Krise bürgerkriegsähnliche Zustände zu befürchten seien.  

Argumente dafür und dagegen werden ausgetauscht. Die Fragen sind immer dieselben wie auch schon bei der ersten Fähre, die wohl inzwischen in Sete angekommen ist:

  • wie sicher ist die freie Fahrt durch Marokko zum Hafen – immerhin über 600 Kilometer?
  • was passiert, wenn auf oder beim Verlassen der Fähre ein Corona-Fall festgestellt wird?
  • Quarantäne im Hafen von Sete? Oder sogar auf dem Schiff?
  • wie sicher sind die 40 Stunden Fahrt auf der Fähre mit hunderten anderen Passagieren?
  • wie entwickeln sich die sanitären Bedingungen bei Sturm, wenn die Überfahrt länger dauert?
  • wie sicher ist die direkte Weiterfahrt durch Frankreich nach Deutschland?
  • was bedeutet keine weitere Fähre? Nie wieder? Sehr unwahrscheinlich!

Die Diskussion wird sehr offen geführt. Wir setzen uns alle auch mit Aicha und Reinhard zusammen.  

Für uns ist schnell klar: wir für uns nehmen das Angebot nicht an. Zu viele offene Fragen und keine Sicherheiten. Es sind noch weit über 1.000 andere Wohnmobilisten in Marokko verstreut.

Die aktuellen Infektionszahlen von offiziell unter 500 im Land sprechen auch für unsere Entscheidung. Auch wenn die Dunkelziffer hoch sein wird, ist die Zahl niedriger gegenüber den europäischen Ländern.

Außer dem französischen Ehepaar mit Tochter bleiben erstmal alle hier und warten ab. Die vier Leute aus den beiden zuletzt angekommenen Wohnmobilen haben sich auf die Liste setzen lassen und warten nun auf die Bestätigung. Wenn die dann da ist, wollen sie die endgültige Entscheidung treffen, ob sie fahren oder nicht. Die 1.600 Euro für die Buchung wären bei Nichtantritt allerdings weg. Für mich eine verwunderliche Entscheidung, da sie die schreckliche Situation an der Grenze bereits schon einmal durchlebt haben. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Die Fähre nach Sete sticht in See

29.03.2020
Die Fähre nach Sete sticht in See

Die Gruppen berichten, dass die Fähre um 14 Uhr in Tanger Med angekommen ist. Die geplante Abfahrt um 16 Uhr wird sich also verschieben. Erst in der Nacht kommt sie dann los. Einzelne PKWs stehen auf dem Deck. Vielleicht haben sie eine Matratze im Auto liegen und gelten somit als Camper?

Ein ganzer Fahrstreifen auf dem Deck ist leer. Dort sollen wohl normalerweise die Motorräder stehen. Es sind wohl auch einige Zweiräder auf dem Platz, aber von denen wird keines mitgenommen.

Nach Abfahrt der Fähre ist der Hafen-Parkplatz wohl leer.

Es heißt nun, dass es ab Montag um 18 Uhr eine Telefonnummer geben wird, unter der man einen Platz für die nächste Fähre am Donnerstag reservieren kann. Mit der Buchungsbestätigung kann man wohl auch die Fahrt durchs Land antreten.

Die Entscheidung bei uns beiden fällt durch einen Blick: wir bleiben hier.

Um 15 Uhr gibt es heute Kaffee und Kuchen. Eine der anwesenden Damen hat Geburtstag. Aicha richtet eine Tafel mit mehreren Kuchen und Muffins. Ja, an der guten Versorgung hapert es hier nicht.  

Natürlich ist eines der Hauptthemen wieder Corona und die Auswirkungen sowie unsere Situation. Die meisten hier gehen das sehr entspannt an.

Am Abend machen wir uns den Tintenfisch, den wir gestern im Markt gekauft haben. Dazu gebratenes Gemüse (Paprika/Mohrrüben) und Brot.

Ach ja, in Deutschland wurden in der Nacht die Uhren umgestellt. Jetzt müssen wir beim Fernsehen aufpassen, alles kommt jetzt eine Stunde früher. Wir verpassen den Tatort und schauen dann die Ausstrahlung um 20:45 unserer Zeit auf ONE.

Einkaufen im Supermarkt

28.03.2020
Einkaufen im Carrefour-Supermarkt

Heute nehmen wir uns vor, mal wieder einkaufen zu fahren. Die Situation ist nicht ganz klar. Eigentlich benötigt man ein Dokument, damit man einkaufen fahren darf. Dies gilt auch immer nur für eine Person.

Wir schnappen uns trotzdem den Smart und düsen los. Außer dass sehr wenig Verkehr ist und kaum Menschen auf der Straße sind, fühlt sich alles normal an. Es gibt keine Kontrollen und wir kommen unbehelligt auf den Parkplatz des Supermarktes an.

Beim Betreten des Marktes werden unsere Hände mit Desinfektionsspray eingesprüht. Auch die Kassiererinnen werden ab und zu mit dem Spray versorgt. Die Griffe der Einkaufswägen werden nach dem einsammeln auch jedes Mal desinfiziert.

Ein Viertel der Einkaufenden tragen einen Mundschutz. Wäre dem nicht so, würde man auch hier nicht merken, was draußen in der Welt vorgeht. Alles sehr entspannt. Die Regale sind voll. Wir kaufen in Ruhe ein. Wir haben das Gefühl, dass die Preise ein wenig angezogen haben. Haben aber keinen direkten Vergleich zu früheren Einkäufen.

Wir kommen auch wieder zum Campingplatz zurück ohne eine Kontrolle, Polizei und/oder Militär gesehen zu haben.

Abends kochen wir dann Paprikagulasch mit Semmelknödel. Lecker.

Ein Schiff wird kommen

27.03.2020
Ein Schiff wird kommen …

Wie wir am Vortag von den Neuankömmlingen erfahren haben, wurden die Autoschlangen vor der Grenze zu Ceuta aufgelöst und auf den großen Parkplatz im Hafen von Tanger Med, einem weiteren großen Parkplatz und einem Campingplatz verteilt. Die extreme Situation mit Wasserversorgung und Entleerung der Toiletten aus den Fahrzeugen entspannt sich etwas. An allen Stellen gibt es zumindest eine Ver- und Entsorgungsstelle.

Insgesamt sollen um Tanger Med und Ceuta zwischen 1.000 und 2.000 Fahrzeuge stehen und auf eine Fähre nach Europa warten. Wir sind immer noch 600 Kilometer von dort entfernt und fühlen uns weiterhin sehr wohl mit unserer Entscheidung. Eben hier auf dem Campingplatz bei der Familie Schatz in Marrakech in Ruhe die Entwicklung abzuwarten.

Dann kommt Unruhe in den Foren – vor allem in der „Wohnmobil Ausreise“. Die Gerüchteküche fängt an zu brodeln. Dann wird es aber von der Botschaft wohl bestätigt: Es soll wohl eine Fähre geben, die zweimal von Tanger Med nach Sete in Frankreich fährt. Einmal am Sonntag und einmal am Donnerstag. Kosten 1.200 bis 1.600 Euro. Der Preis ist so hoch, da die Fähre jeweils leer von Sete nach Marokko fährt. Dann geht es mit der Diskussion los, ob auch PKWs oder Personen ohne Fahrzeug mitdürfen. Es geht hin und her. Schlussendlich scheint es klar zu sein, dass nur Campingfahrzeuge mitdürfen.

Die erste Fuhre am Sonntag soll nur für die Wohnmobile sein, die bereits in Tanger Med auf dem Parkplatz im Hafen stehen. Wohl 170 bis 190 Stück. Die Gerüchteküche springt wieder an: die Fähre ist gar nicht so groß, es passen nur ca. 100 Fahrzeuge drauf.

Die Pässe der dort wartenden werden mit den Kreditkartendaten eingesammelt für die Buchung. Wir sind gespannt, wie sich das entwickelt. Wir haken es für uns ab, da noch so viele Wohnmobile im Norden stehen. Wir rechnen uns keine Chance aus, auf eine der beiden Fähren zu kommen.

Der Meinung sind auch die anderen Mitcamper auf dem Platz. Auch von den Gruppen weiter im Süden hört man, dass sie sich nicht vom Fleck bewegen wollen.

Neue Gäste auf dem Platz aus Ceuta

26.03.2020
Neue Gäste auf dem Campingplatz SCHATZ in Marrakech

Heute kommen zwei deutsche Wohnmobile an. Wie sich herausstellt, haben die vier Insassen die letzten Tage in Ceuta an der Grenze verbracht. Dort haben sie sich als die sogenannten „Krisenmanager“ betätigt. Gespräche mit Presse und der deutschen Botschaft in Rabat geführt und die Gruppe informiert.

Wie sie dann am Abend beim Abendessen berichtet haben, hat aber alles nichts gebracht. Letztendlich haben die Polizei und das Militär den kilometerlangen Stau vor der Grenze von Marokko zu Ceuta aufgelöst und die über 1.000 Fahrzeuge (Wohnmobile und PKWs) auf zwei Parkplätze verteilt. Einer davon ist der Hafen von Tanger Med. Beide Plätze wurden dann abgeriegelt. Also keiner kommt von dort mit dem Wohnmobil wieder weg. Zu Fuß, mit dem Fahrrad, Roller, Motorrad oder separaten PKW kann man jedoch einkaufen gehen.

Die vier haben die Abfahrt gerade noch vor der Räumung geschafft und konnten die 600 Kilometer in den Süden bis nach Marrakech zurücklegen. Sie hatten ähnliche Gründe wie – vor allem die Sicherheit hier, das schöne Umfeld und die Nähe der Besitzer zu Informationen über die Ereignisse mit deutscher Sicht.

Die Erzählungen haben uns erneut bestätigt, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben: einfach in ruhiger und sicherer Umgebung abzuwarten. Zuerst war es richtig in Tafraoute Stellung zu beziehen und die Situation einzuschätzen. Dann war es für uns genau richtig, den Weg nach Marrakech auf den deutsch geführten Campingplatz SCHATZ anzutreten – vor allem wegen der Sicherheit der medizinischen Versorgung und bei Notwendigkeit einen besseren Zugriff auf Medikamente und/oder eine Möglichkeit per Paket/Kurier erreichbar zu sein.

Kleine Arbeiten, sonst ruhiger Tag

25.03.2020
Kleine Arbeiten, sonst ruhiger Tag

Wie jeden Tag nehmen wir uns ein paar Dinge vor, die wir heute erledigen wollen: aufräumen, staubsaugen, Heckgarage neu einräumen, am Video weiter arbeiten und noch einiges mehr … und wir (fast) immer schaffen wir nur die Hälfte. Aber das ist auch OK, denn wir haben keinen Druck.

Gedanklich haben wir uns damit abgefunden, dass wir bis mindestens Ende April hier festsitzen werden. Trotzdem verbringen wir 2-3 Stunden am Tag damit, uns auf dem Laufenden über die sich immer verändernde Situation zu halten. Das heißt Radio/Fernsehen verfolgen und Webseiten von Botschaften, Fährgesellschaften und einschlägigen Seiten checken sowie den ganzen Tag über die speziellen WhatsApp-Gruppen verfolgen.

Für alle, die mit Nachdruck auf Ihre sofortige Ausreise hinarbeiten die Gruppe „Wohnmobil Ausreise Marokko“ mit ca. 250 Teilnehmer und für alle, die das etwas lockerer sehen die Gruppe „Wagenburg Marokko“ mit ca. 150 Teilnehmern. Die Letztere bildet eher unsere Linie ab. Das heißt aber nicht, dass wir nicht ausreisen wollen. Aber nicht um jeden Preis. Sondern nur, wenn die Überfahrt und die Weiterfahrt nach Deutschland gesichert ist. Bis dahin gilt immer noch unser Motto: Da wir kein Haus/Wohnung in Deutschland mehr haben ist es eigentlich egal, wo wir auf einem Wohnmobilstellplatz stehen: Allein bei Regen und in der Kälte in Deutschland oder hier bei 25 Grad in der Sonne mit Pool und sehr guter Versorgung.   

Webseite erstellen, Medikamente besorgen und ein wenig nachdenken …

24.03.2020
Ein bisschen Arbeiten und organisieren

Es ist jetzt 11 Uhr, das Frühstück ist beendet. Bevor wir uns endlich wieder dem nächsten Video auf YOUTUBE widmen können, habe ich noch ein ToDo auf dem Plan: Anruf bei meiner Hausärztin wegen der Verschreibung von Medikamenten. Noch habe ich genügend Vorrat. Aber wenn wir länger festsitzen sollten, muss ich mir einen Plan B überlegen. Das einfachste wäre, die Medikamente, die ich hier in Marokko nicht bekomme, von Deutschland per Post oder Kurier zusenden zu lassen. So einfach ist das aber gar nicht, da eine Verschreibung ohne Versichertenkarte eigentlich nicht möglich ist. Aber auch dieses Problem ist gelöst. Wir (bzw. Katrin, Uwes Kusine in Göppingen) hat das Rezept.

Keinen Tag zu früh wie es sich rausstellt, denn manche Arztpraxen in Deutschland müssen schließen, da sie Corona-Infizierte behandelt haben deshalb erstmal auch 2 Wochen in Quarantäne müssen.

Wir checken auch mal wieder die Gruppenposts. Da geht es ganz schön rund. Viele haben Panik. Klar, das ist verständlich. Stehen vor der Grenze und können nicht vor und nicht zurück. Aber – ich traue es mich fast nicht zu schreiben – man könnte auch sagen: Das war abzusehen und die Anreise zur Grenze war die eigene Entscheidung. Immerhin sagt die Botschaft seit 8 Tagen, dass man bleiben soll wo man ist und seit jetzt 4 Tagen herrscht Reisesperre. Aber jeder muss für sich selbst entscheiden und tut, was er tun muss.

Inzwischen ist auch von der Botschaft bestätigt, dass man nach Ablauf der 90 Tage in Marokko vorerst keine Visumverlängerung benötigt. Für uns ja noch kein Thema, da wir noch 6 Wochen Spielraum haben.

Vor einer Woche haben wir noch im Palmenhain in Tafraoute Teile für unsere Markise anfertigen lassen: eine Frontabdeckung, 2 Seitenteile mit Türe und 4 Radabdeckungen. Alles wurde am Donnerstag noch geliefert, bevor wir gefahren sind. Allerdings waren die Seitenteile etwas zu lang, so dass etwas nachgebessert werden musste. Heute nun kam der Lieferant auf den Platz. Wir waren natürlich nicht mehr da. Aber Maren und Ralf haben die Teile entgegengenommen und die Restsumme ausgelegt. Jetzt müssen wir uns nur noch irgendwie treffen, wenn das Reisen wieder erlaubt ist. So lange leben wir jetzt schon mal mit unserer Frontabdeckung.

Ansonsten habe ich heute eine neue Homepage angefangen, die ich schon 2 Wochen vor mir herschiebe. Deshalb musste die Fertigstellung des neuen Videos für unseren YOUTUBE-Kanal noch etwas warten – Business geht vor. Und ein wenig zusätzliches Geld können wir gebrauchen. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass meine VHS-Kurse in Göppingen, Kirchheim und Donzdorf im April und Mai wirklich stattfinden. Auch unsere beiden Vorträge in KH und GP werden wohl abgesagt oder zumindest in das Herbst-Semester verschoben.

Jetzt müssen wir noch eine wichtige Frage klären: Was gibt es heute zum Essen. Der Nachtisch mit selbst gemachtem Grießpudding und Erdbeermus ist schon mal fertig. Tini sagt gerade: Lass dich mal überraschen – na das mach ich doch einfach!

Es war lecker, sehr lecker: Aufgeschäumte Tomaten-Paprikasuppe mit geröstetem Brot. Und dann noch der Nachtisch für später … uns geht’s doch gut.

Brot haben wir ja immer genug. Jeden Morgen fährt Aicha los zu Bäcker und legt jedem Camper jeweils zwei Tüten auf unserem Tisch vor dem Wohnmobil: eine mit zwei Fladen, Baguette oder Brötchen und die andere mit zwei „süßen Stückchen“ wie Schneckennudel und/oder Schoko-Croissants für den Nachmittagskaffee. Daran kann man sich gewöhnen …

Ausruhen

23.03.2020
Ruhiger Tag

Heute ist ein ruhiger Tag geplant. Gerade schreibe ich diese Zeilen – auch für die letzten Tage, checken unsere Social Media-Kontakte und kontrollieren unsere Webseite. Da muss ich auch mal wieder was gemacht und Daten aktualisiert werden. Auch zwei YOUTUBE-Filme warten auf die Fertigstellung. Kommt alles. Jetzt haben wir Zeit. Aber das sagen wir schon seit Monaten. Irgendwie verstehen wir jetzt die Rentner, die nie Zeit haben. Nein, falsch: verstehen können wir das nicht – wir stellen nur fest, dass es so ist!

Ein paar Telefonate sind auch noch fällig. Wir haben nämlich noch ein Gesprächsguthaben auf unserer SIM-Karte, das morgen Nachmittag zerfällt. Also rufen wir mal bei meiner Mutter und den Kindern an. Das Problem mit unserer abgelaufenen Krankenversicherung gehen wir auch an.

Unsere Frage, wie das mit den Auslandskrankenversicherungen aussieht, wenn man nicht nach Deutschland zurückkehren kann, bleibt leider erstmal unbeantwortet. Es gibt dazu keine Vorgabe. Aber unser Versicherungsmakler kümmert sich drum und wird uns entsprechend informieren.

Grenzen zu – alle Fähren vorerst gestrichen

22.03.2020
Grenze zu Ceuta ab 0 Uhr geschlossen

In der Nacht kommt noch eine Meldung von der Botschaft: Ab morgen um Mitternacht werden die Außengrenzen von Marokko geschlossen. OK, wir warten ab. Die Meldungen von den durchfahrenden Wohnmobilen aus Spanien und Frankreich sind meist positiv. Die Durchfahrt wird ohne große Behinderungen ermöglicht. Die Autobahn darf nur für Einkäufe, Tanken und Übernachtung verlassen werden.

Offiziell sind auch alle Fährverbindungen gestrichen. Auch die bis gestern noch verkehrenden 2 Fährverbindungen von Ceuta nach Algeciras. In der Gruppe “Wohnmobil Ausreise Marokko” hört man so ab und zu, dass es weiter geht und einzelne Fähren doch noch fahren. Aber an der Grenze tut ich nichts. Keiner kommt mehr in die spanische Enklave Ceuta rein. Liegt aber wohl nicht an den Marokkanern, sondern an den Spaniern.

Wir haben seit Tagen ein Problem mit unserer Sat-Anlage. Sie findet keinen Satelliten mehr und wir haben alles getan um das zu beheben. Normalerweise sehen wir im Ausland wenig fern, aber in diesen Zeiten ist es uns doch ein Bedürfnis, gut informiert zu sein über die Situation in Europa und natürlich in Deutschland.

Reinhard (Betreiber Campingplatz) gibt uns eine kleine, portable SAT-Antenne. Mit der kleinen Ausführung bekommen wir zwar keinen Empfang, aber wir können unsere Anlage auf dem Dach genau danach ausrichten. Kein Empfang – kein Ausschlag in der Empfindlichkeit. Eigentlich kann es dann nur die Antenne sein. Also ziehe ich mit Aicha los und kaufe in einem kleinen Laden eine Schüssel mit 90 cm Durchmesser, die Befestigung und ein Rohr zur Befestigung. Alles zusammen 11 Euro. Das ist mir der Test wert, ob das Problem bei unserer automatischen Oyster-Antenne liegt. Aicha hat noch einen neuen LNB. Was noch fehlt ist ein Antennenkabel. Daran habe ich nicht gedacht. Aber Reinhard hilft. In der Garage liegen 50 Meter Kabel, wo ich mir 5 Meter abschneiden kann. Was fehlt sind die Stecker. Also improvisieren mit Klammern und Isolierband.

Endlich alles angeschlossen. Aber wir müssen feststellen, dass es doch nicht ganz so einfach ist. Der Oyster-Receiver ist für die Automatikantenne und nicht für eine manuelle Antenne ausgelegt. Er sucht immer zuerst die Dacheinheit. Wenn er sie nicht findet, zeigt es einen Fehlercode. Also nochmals umstecken, mit SAT-Finder schauen, was sich tut. Zum Vergleich stecke ich nochmal die Automatik-Einheit an … und man glaubt es kaum: Plötzlich erklingt der TV-Ton. Wir schalten durch – und alle Sender sind da! Warum auch immer!?

Ein Tag umsonst eingekauft, geschaltet, umgesteckt, Kabel gebastelt … aber das Ergebnis zählt.

Aícha freut sich. Sie wollte immer schon eine zweite Antenne für „ihre“ arabischen Sender haben. Ich will Ihr die Antenne schenken. Aber da habe keine Chance. Sie besteht auf die Bezahlung und drückt mir das Geld in die Hand.  

Einkauf in Marrakech

21.03.2020
Es war die richtige Entscheidung

Beim Frühstück checken wir erstmal die Foren. Zwar sind die Einträge wie üblich sehr unterschiedlich, teilweise widersprüchlich. Aber sie bestätigen die Richtigkeit unserer Entscheidung. Denn einige Wohnmobile werden auf der Fahrt in den Norden aufgehalten und wieder zurück zu Ihren Campingplätzen in Zagora und Sidi Kaouki (bei Essaouira) geschickt.

In Deutschland werden die Einschränkungen auch restriktiver. Es dürfen sich nur noch maximal 2 Personen oder Familien „zusammenrotten“. Nach unserer Meinung haben wir für uns also die richtige Entscheidung getroffen.

Ein kleiner Test steht noch aus. Wir müssen einkaufen in die Stadt und starten zum Supermarkt CARREFOUR. Laut Aicha benötigen wir dazu einen Passierschein der Polizei. Gestern war sie im Supermarkt MARCHE. Der Parkplatz voll und eine lange Schlange am Eingang. Alle wollten noch vor dem Ausgehverbot einkaufen. Es durften auch immer nur eine bestimmte Anzahl von Personen in den Markt. Zudem durfte immer nur eine Person zum Einkaufen, die andere muss im Auto bleiben.

Wir versuchen es trotzdem. Smart runter vom Hänger und los geht’s – ca. 10 Kilometer in die Stadt. Angekommen am CARREFOUR stellen wir fest … nichts. Wenig Fahrzeuge auf dem Parkplatz. Wir steigen aus und gehen zu zweit einkaufen. Keinerlei Probleme. Die herumstehenden Einkaufswägen werden vom Personal eingesammelt und die Griffe desinfiziert. Zu den KassiererInnen kommen nach jedem Kunden HelferInnen zur Händedesinfektion. Die Regale sind voll und sämtliche Produkte sind in ausreichenden Mengen vorhanden. Alle Menschen im Markt sind auch sehr entspannt, nur vereinzelt mit Mundschutz. Aber niemand geht den anderen extrem aus dem Weg.

Nächtliche Aufregung und Fahrt nach Marrakech

20.03.2020
Nächtliche Aufregung

Um 02:30 klopft es mehrmals an unser Wohnmobil und ein Kind oder eine Frau sagt etwas. Wir schrecken aus dem Schlaf hoch. Jetzt regt sich nichts mehr. Aber an einfach weiter schlafen ist nicht mehr zu denken. Wir sind der Meinung, dass es kein Deutsch war, sondern eher französisch.
Was will jemand mitten in der Nacht von uns? Müssen wir den Platz verlassen?
Zu dieser Zeit wohl kaum.
Durch die Fenster sehen wir nichts. Es ist Nacht. Wir trauen uns aber nicht, die Türe zu öffnen und nach zu sehen.

Dazu muss ich erklären, dass wir zwar in einer Gruppe zusammen, der Bereich aber sehr weitläufig und durch große Palmen getrennt ist. Wir sind vom Nächsten ungefähr 30 Meter entfernt und durch einen Palmenreihe getrennt. Wir sehen vor unseren Fenstern keinen unserer Nachbarn.

Als wir dann aber ein Fahrzeug wegfahren hören, wird es uns dann doch mulmig. Müssen wir doch vom Platz? Aber dann hätten die anderen uns doch verständigt? Und zwar lautstark, dass wir das auch mitkriegen. Also hilft nichts, wir müssen raus. Sonst haben wir keine Ruhe mehr.

Und – tatsächlich. Die Österreicher Claudia und Heimo mit ihrem Feuerwehrauto und auch Wolfgang mit seinen Landcruiser sind weg! Maren und Ralf, die Italiener und die Neuseeländer sind aber noch da. Wir finden dann auch einen Zettel vor der Türe von Claudia. Beide konnten nicht schlafen und haben sich entschlossen mitten in der Nacht los zu fahren Richtung Ceuta. Sie wollen am Stück die fast 900 Kilometer durchfahren, eine Fähre nach Spanien buchen und nach Österreich heimfahren.

Jeder muss seine eigenen Entscheidungen treffen, mit denen er sich wohl fühlt. Auch wir überdenken natürlich immer wieder unsere Situation. Was wir gar nicht einschätzen können, ist der Ausnahmezustand und das Ausgehverbot.

Situation zum Verlassen des Landes

Wir versuchen uns übers Internet, Facebook, die deutsche Botschaft und vor allem in  WhatsApp-Foren aktuell informiert zu bleiben. Wobei viel Panikmache und unbestätigte Meldungen die Selektion schwer machen, was wahr ist und was nur auf Vermutungen und Spekulationen beruht.

Wir verlassen uns vor allem auf zwei Foren, die Maren und Ralf eingerichtet haben.

  1. Wohnmobil Ausreise Marokko
  2. Wagenburg Marokko

Also einmal für alle, die sofort ausreisen wollen und die Wagenburg für alle, die vorerst mal bleiben wollen. Auch hier muss man ein wenig selektieren und sich auf sein Gefühl verlassen.

Klar ist aber: alle Fährverbindungen von Marokko nach Europa, auch die meist genutzte von Tanger Med nach Algeciras, sind definitiv geschlossen. Man hört (bestätigt auch durch die Botschaft), dass es nur noch den Weg über Ceuta gibt. Von dort sollen Fähren nach Algeciras fahren.

Der Landstrich Ceuta im Norden von Marokko liegt zwar auf marokkanischem Gebiet, gehört aber zu Spanien. Man reist also auf dem Landweg dort nach Spanien ein und nimmt die Fähre von Spanien nach Spanien.

Alles scheint auch zu funktionieren. Sogar die Tickets, eigentlich von Tanger Med nach Algeciras bleiben auf diesem Weg gültig.  Aber es gibt auch einige Meldungen, die von Angst und Panik geprägt sind. Die Fähren fahren – die Fähren fahren nicht – schlechtes Wetter – Fähre fährt nicht – doch eine Fährgesellschaft fährt doch – hunderte von Wohnmobilen an der Grenze – wir sind gerade problemlos über die Grenze nach Ceuta – gerade verlassen zwei Fähren Algeciras – wir sind auf der Fähre – alles problemlos – Personal sehr freundlich – wir kommen nicht mehr über die Grenze … usw, usw.

Dann kommt die bestätigte Meldung, die gestern noch als Gerücht kursierte: ab heute abend 18 Uhr ist definitiv der Ausnahmezustand ausgesprochen und damit auch eine generelle Ausgangssperre. Nur noch Lebensmittel-Einkauf, Apotheke, Arztbesuch oder Weg zur Arbeit ist erlaubt. 

Keiner weiß aber, was das wirklich bedeutet. Jetzt müssen wir auch eine Entscheidung treffen. Fahren oder hier im Palmenhain bleiben?
Wegen der tollen Gemeinschaft würden wir gerne hierbleiben und wir wollen auf keinen Fall zur Grenze fahren. Viel zu unklar die Situation dort. Was nützt es uns, dann vor der Grenze oder in Ceuta in der Schlange zu stehen? Vielleicht ohne Versorgung?

Und wenn wir auf die Fähre kommen, was erwartet uns in Spanien? Was in Frankreich? Was in Deutschland?

In Deutschland ist inzwischen auch ein Ausgehverbot erlassen worden. Nicht mehr als 5 Menschen dürfen sich versammeln. Also was sollen wir in Deutschland? Wir haben ja keine Wohnung mehr und würden dann irgendwo auf einem Stellplatz stehen. Wenn man das noch darf? Gut, wir kämen auch irgendwo privat unter. Da sind wir sicher.

Wir sind uns da einig: bei diesen Aussichten bleiben wir lieber hier in Marokko in der Sonne und Wärme. Es stellt sich nur eine Frage: ist der Standort Tafraoute im Palmenhain der Richtige?
Vom Gefühl her – JA. Die tolle Gemeinschaft und Unterstützung, das gemeinsame Einkaufen, Essen und der Informationsaustausch hat was.

Aber was ist, wenn bei mir gesundheitlich etwas schief geht? Das nächste größere Krankenhaus wäre in Agadir, ca. 170 Kilometer entfernt. Unter normalen Umständen leben wir damit natürlich. Immer kann irgendetwas passieren. Tini musste in Marokko auch schon einen Tag in die Klinik „wegen Rücken“. Von meinen lebensnotwendigen Medikamenten habe ich zwar einen Vorrat. Aber in 6 Wochen habe ich dann ein Problem.

Fahrt nach Marrakech

Wir erörtern alles beim Frühstück und kommen zum Ergebnis:
Auf keinen Fall fahren wir zur Grenze aus den oben genannten Gründen. Aber wir werden die 400 Kilometer auf uns nehmen und nach Marrakech fahren. Dort ist die gesundheitliche Versorgung sehr gut und wir kennen durch Tinis Rückenprobleme bereits einen deutsch sprechenden Arzt dort.

Zudem fühlen wir uns auf dem Campingplatz SCHATZ, ca. 10 Kilometer vor Marrakech, sehr gut aufgehoben. Reinhard ist Deutscher, seine Frau Aicha ist Marokkanerin. Sie betreiben ein Hotel mit einem Campingplatz und sprechen französisch, arabisch, englisch und natürlich deutsch. Sie haben viele wichtige Verbindungen für Probleme aller Art und auch zur Polizei für aktuelle Infos zu den Reisebestimmungen.

Entscheidung: Abfahrt 11 Uhr über das kleine Atlasgebirge, Tiznit und Agadir nach Marrakech. Die Strecke wird sicherlich nicht Tinis Lieblingsstrecke! Enge, teils einspurige Bergstraßen und Serpentinen sowie starker Regen und dichter Nebel.

Sonst ist auf den Straßen viel weniger Verkehr als sonst. Auch die Orte, durch die wir fahren, sind teilweise wie ausgestorben. Andere wirken wieder, als sei nichts geschehen. Ein Autofahrer wird angehalten und erhält einen lautstarken Verweis der Polizei, weil im Auto vier Personen sitzen.

Unterwegs sehen wir schon, dass wir die Ankunft bis zum Beginn der Ausgangssperre um 18 Uhr nicht schaffen. Um 19 Uhr kommen wir dann am Campingplatz an. Problemlos ohne Sperren und ohne Kontrollen.

Fatales Missgeschick – Unfall

19.03.2020
Fahrt zum Tanken mit einem fatalen Missgeschick

Kurz zur Situation: wir stehen noch immer im Palmenhain, ca. 1 Kilometer vor Tafraoute. In Richtung Ort hat es weitere Palmenhaine und auch 2 Campingplätze. Unserer ist am weitesten vom Ort entfernt und auch etwas versteckt. Deshalb stehen hier auf ca. 2 ha nur 10 Fahrzeuge. Unsere kleine Gruppe verändert sich immer wieder. Die Schweizer (Brigitte und Rene) sind inzwischen weitergezogen. Dafür hat sich ein Ehepaar aus Neuseeland zu uns gesellt. Die sind ein Jahr in Europa und nun in Marokko mit dem WoMo unterwegs. Eine illustre Gruppe also.

Heute früh kam der Besitzer/Platzwart/Nachtwächter von unserem Palmenhain und gibt uns einen Zettel mit Verhaltensregeln. Keine Ansammlungen. Verlassen des Platzes nur für Einkäufe. Dazu gibt er uns einen Zettel der Verwaltung, den wir ausfüllen müssen. Name, Kennzeichen und Zeiten der Einreise nach Marokko und Anreise nach Tafraoute. Alles sinnvoll.

Wir werden heute mit dem Wohnmobil in den Ort fahren – der Tank ist fast leer und man weiß ja nie. Es sind weniger Leute unterwegs als sonst, aber alle sehen entspannt aus. Wenige tragen einen Mundschutz und mehr Frauen als sonst tragen einen Schleier.

Das Missgeschick:
Wir fahren in den Ort, kommen gerade aus dem Kreisverkehr – und plötzlich rennen wild winkende Menschen auf die Straße und zeigen uns an, dass wir anhalten sollen. Gehört und gefühlt haben wir es auch schon. Es gab Erschütterungen und Stöße am Fahrzeug.

Oje, im Rückspiegel sehe ich das Malheur: unsere Tür der Heckgarage auf der Beifahrerseite ist bei der Ausfahrt aus dem Kreisverkehr aufgegangen und hat zum einen zwei parkende Fahrtzeuge mehrmals touchiert, ist dann abgebrochen und liegt mitten auf der Straße.

Sofort eilen Menschen von der Straße und den Geschäften herbei und helfen, die aus der Garage heraus gefallenen Gegenstände aufzuheben und zum Wohnmobil zu bringen.

Ich gehe erstmal zu den beschädigten Fahrzeugen. Das meiste hat ein neuer Mercedes GLS 300d abbekommen. Hinterer Kotflügel, Türe und vorderer Kotflügel haben einige heftige Dellen und Kratzer. Der Fahrer des Mercedes spricht leider kein Englisch. Auch von den umstehenden kann niemand dolmetschen. Aber alle sind sehr entspannt, ohne Hektik und Aufregung.

Mit Händen und Füßen verständige ich mich mit dem Fahrer und versuche eine Lösung zu finden. Der beruhigt erstmal mit den Händen und telefoniert. Dann nimmt er sein Handy und fotografiert den Schaden – telefoniert wieder. Ich rufe Maren im Palmenhain an und frage nach der Telefonnummer von Els. Maren ruft Els direkt an und teilt ihr unseren Standort mit. Sie ist aus Belgien und spricht sehr gut Französisch und Englisch. Ihr Fahrzeug ist zurzeit auch im Ort zum Lackieren.

Ich gehe zurück zum Auto, das 50 Meter weiter immer noch mitten auf der Straße steht. Durch parkende Fahrzeuge, ist kein Durchkommen für Autos. Deshalb leiten Umstehende die ankommenden Autos an der Kreuzung gleich auf die Parallelstraßen um.

Bei Tini steht inzwischen ein junger Mann in Latzhose und sieht sich den Rahmen mit den herausgerissenen Scharnieren und die Türe an. Er erklärt uns dann in englisch, dass das kein Problem sei. Er könne das reparieren. Wir zucken mit den Schultern, noch etwas unter Schock. Er packt die Türe und lädt sie in einen Transporter.

Ich gehe wieder zu dem beschädigten Fahrzeug. Inzwischen ist ein Polizist eingetroffen, der zumindest ein wenig englisch kann. Der erklärt mir, dass der Mann mit dem 4 Wochen alten Mercedes nur der Fahrer ist und dem Besitzer Fotos vom Schaden geschickt hat.

Unser Mechaniker mit der Türe kommt hinzu und spricht mit dem Polizisten. Der nickt und sagt, wir sollen das Fahrzeug wegfahren und dem Transporter folgen in die Werkstatt. Ich bin etwas verwirrt und viele Fragen schießen mir durch den Kopf: Der Schaden? Meine Personendaten? Fahrzeugdaten? Versicherung? Grüne Versicherungskarte?

Alles erledigt, wir sollen fahren. Jetzt kommt noch ein Ladenverkäufer hinzu, den wir schon vom Palmenhain kennen. Der spricht sehr gut deutsch. Er erklärt mir, dass wirklich alles in Ordnung ist. Wir sollen weiterfahren. Der Mercedes gehört einem reichen Mann und der will nichts von uns.

Wahrscheinlich schaue ich ziemlich dumm aus der Wäsche, denn das kann ich gar nicht glauben. Aber alle umstehenden lächeln mich an und nicken: „It’s OK. No Problem. He’s a rich man – a very rich man.“. Ich bedanke mich bei allen umstehenden – natürlich ohne Handschlag. Aber mit „Schokran“ und eine Hand auf dem Herzen. Das bedeutet so viel wie „Herzlichen Dank“. Die Geste wird von den Umstehenden mit einem Lächeln und freundlichen Nicken erwidert.

Inzwischen ist auch Els mit dem Fahrrad eingetroffen. Gefolgt von dem deutsch sprechenden Händler auf dem Moped und Els auf dem Fahrrad folgen wir langsam dem Transporter mit unserer Türe. Die Fahrt geht an den Stadtrand in eine kleine Werkstatt. 

Der junge Mann und ein zweiter aus der Werkstatt schauen sich das Ganze an und fangen gleich an zu arbeiten.  Els fragt gleich mal, was das kosten wird. Die Männer sind nicht ganz so begeistert, dass eine Frau sich einmischt 😊, aber wir fühlen uns dadurch sicherer. Der deutsch sprachige Händler bestätigt auch, dass alles gut wird und der Preis schon stimmen wird. Els bleibt aber hartnäckig und fragt nochmal nach.

Nach ca. 1 Stunde ist die Türe wieder an seinem Platz. Ein bisschen klopfen, hämmern, ein paar neue Löcher, größere und längere Schrauben, Unterlagscheiben. Das Scharnier sitzt, die Tür schließt.
400 Dirham = 40 Euro kostet das Ganze. Für marokkanische Verhältnisse eher viel. Für uns aber voll OK. Ich glaube Els hätte da noch ein wenig nachverhandelt. Aber wir sind froh, so glimpflich aus der Sache raus gekommen zu sein.

Unser Dolmetscher aus dem Souvenirladen will kein Geld für seine Hilfe. Er ist fast beleidigt – aber nur fast 😊. Wir versprechen ihm, in den nächsten Tagen in seinem Shop vorbei zu schauen. „Ja-ja, schaffe, schaffe Häusle baue,“ sagt er zum Schluss noch und fährt mit seinem Moped von dannen.

Wir fahren wieder zurück in die Stadt und gehen Tanken. Unter vielen lächelnden Blicken. Wahrscheinlich hat sich unser Missgeschick schon herumgesprochen und unser Wohnmobil fällt durch die bunte Beschriftung und die vielen Fotos auf.

Plötzlich stehen Ralf und Heimo vor uns. Sie sind vom Palmenhain reingelaufen und wollten sehen, wie es uns geht. Schön, in Marokko so eine „Familie“ zu haben.

Ausnahmezustand und Ausgehverbot:

Am Abend spricht es sich rum und wird dann auch durch Berichte bestätigt: Die marokkanische Regierung versetzt das Land ab morgen 18 Uhr in den Ausnahmezustand mit Ausgehverbot.

Das wird natürlich beim abendlichen zusammen sitzen in der Gruppe erörtert und diskutiert. Heimo hat für alle Chili con Carne auf dem offenen Feuer gekocht. Sehr lecker!  Zum Nachtisch gibt es noch Pancakes mit Zimt und Zucker, die Tini gebacken hat. Auch sehr lecker!

Marokko und Corona

18.03.2020 – Tafraoute in Marokko und Corona

Jeden Tag auch hier Neuigkeiten. Die Schulen und Restaurants haben geschlossen in Tafraout – wie wohl in ganz Marokko.

Die Versorgung ist aber noch gut. Alles auf dem Markt und in den Läden zu kriegen. In der 8.000 Einwohner Stadt Tafraout ist die Welt eben noch in Ordnung. Hier gibt es keine Supermärkte, sondern nur kleine Läden – davon aber ziemlich viele.

Dazu natürlich jede Menge kleine Straßenstände mit Obst, Gemüse, Gewürzen usw. . Heute war Souk (Markt). Auch nicht mehr so viele Stände wie letzte Woche Mittwoch, aber trotzdem sehr viel Auswahl.

Getankt haben wir auch. 1,09 Euro der Liter Benzin für den Smart. Diesel liegt inzwischen bei 0,86 Euro pro Liter.

Gestrandet in Marokko

Aus aktuellem Anlass unterbrechen wir unsere Posts von unserer Nordtour, die wir langsam aufs Laufende bringen wollen und posten erstmal die aktuellen Informationen von uns aus Marokko.

Denn auch uns hat das Corona Virus erfasst. Wenn auch nicht so schlimm, wie wir das von Italien, Spanien und sogar aus Deutschland hören.

Aber wir sitzen hier mit anderen WoMo-Reisenden erstmal auf einem Stellplatz in der Nähe von Tafraout fest. Klar könnten wir weiterfahren oder Richtung Norden. Aber Warum? Nirgends wird es besser sein. Und hier gibt es alles was wir brauchen.

Wir, das ist eine kleine Gruppe aus Schweizern, Österreichern, Holländern, Belgiern sowie unsere Freunde Maren und Ralf aus Göppingen. Mit den beiden hatten wir uns hier verabredet. Eigentlich nur für 1-2 Tage. Aber nachdem Ralfs Mutter nicht nach Marokko zu Besuch kommen konnte, bleiben die Beiden weiterhin hier auf diesem schönen Fleck in Marokko.

Wir Essen jeden Abend zusammen. Mal kochen alle zusammen, mal kocht einer für die ganze Gruppe mit 12 Personen – beispielsweise auch Pizza im selbst gebauten Steinbackofen mit Holzfeuer.

Uns geht es also erstmal gut. Machen können wir eh nicht viel, da alle Fährverbindungen nach Europa gestrichen sind. Ein Flug kommt für uns alle nicht in Frage, da wir ja unser Wohnmobil nicht hier stehen lassen können. Die meisten leben im Wohnmobil und haben alle benötigten Dinge bei sich. Wir auch. Was nützt uns da ein Heimflug, wenn alle Sachen die wir benötigen hier bleiben müssen?